Braunschweig – Vier Tage gelebtes Europa: Vom 27. bis 30. April 2026 durfte die Heinrich-Büssing-Schule (HBS) im Rahmen des Erasmus+-Programms vier Kolleginnen und Kollegen des Lycée Jules Siegfried aus Le Havre begrüßen: Sarah Bouyanzer, Jérémie Flament, Guillaume Rolland und Camille Denis. Der Besuch war weit mehr als ein fachlicher Austausch – er wurde zu einem eindrucksvollen Zeichen gelebter deutsch-französischer Freundschaft und einer nachhaltigen Bildungskooperation.
Bereits am Montag begann die Woche mit einem herzlichen Empfang, der bei den französischen Gästen bleibenden Eindruck hinterließ. „Wir wurden bemerkenswert herzlich aufgenommen und hatten das Gefühl, wirklich erwartet zu werden“, berichteten die Gäste. Besonders auffällig: Trotz unterschiedlicher Größe ähneln sich die Bildungsangebote beider Schulen stark – ein solides Fundament für den weiteren Austausch.
Das abwechslungsreiche Programm bot tiefe Einblicke in den deutschen Berufsbildungsalltag. Ob 3D-Druck bei den Technischen Produktdesignern, Metalltechnik im Unterricht der Zerspanungsmechaniker oder moderne Robotik – die Gäste zeigten sich beeindruckt: „Ihr Lycée ist wirklich hervorragend für Robotik ausgestattet, und die Vielzahl interaktiver Displays ist bemerkenswert.“ Gleichzeitig wurde deutlich, dass beide Länder vor ähnlichen Herausforderungen stehen, etwa bei der Gewinnung von Lehrkräften oder der Förderung von Diversität in technischen Berufen.
Ein zentrales Thema war der Vergleich der Bildungssysteme. Während in Deutschland Unternehmen eine wichtige Rolle in der Ausbildung und Bewertung spielen, ist das französische System stärker zentral organisiert. Die Gäste hoben besonders die Flexibilität des deutschen Systems hervor: „Es gibt mehr Möglichkeiten, zwischen Bildungswegen zu wechseln.“ Auch Unterschiede in der Betreuung von Schülerinnen und Schülern wurden diskutiert, etwa durch verschiedene pädagogische Rollen in Frankreich.
Große Aufmerksamkeit galt zudem der Integration fremdsprachiger Lernender. In Deutschland erfolgt diese zunächst in kleinen Gruppen mit intensivem Sprachunterricht, bevor berufliche Inhalte hinzukommen. In Frankreich hingegen sind die Gruppen oft größer, und es stehen weniger Unterrichtsstunden zur Verfügung – ein Austausch, der neue Perspektiven auf beiden Seiten eröffnete.
Doch nicht nur fachlich, auch menschlich war die Begegnung ein voller Erfolg. „Die Gespräche mit den deutschen Kolleginnen und Kollegen waren bereichernd, offen und inspirierend. Sie helfen uns, unsere eigene Praxis zu reflektieren“, betonten die Gäste. Die gemeinsame Stadtführung durch Braunschweig sowie der Ausflug nach Wernigerode mit seinem historischen Charme stärkten zusätzlich die persönliche Verbindung.
Auch für die Zukunft nehmen die französischen Kolleginnen und Kollegen wertvolle Impulse mit: digitale Ausstattung, neue Unterrichtsmaterialien und innovative didaktische Ansätze. Besonders begeistert zeigten sie sich von konkreten Unterrichtsideen, die sie nun in Le Havre weiterentwickeln möchten.
Einigkeit herrschte schließlich in der Bewertung des Erasmus+-Programms: „Es ermöglicht uns, europäische Bildungssysteme besser zu verstehen, voneinander zu lernen und langfristige Partnerschaften aufzubauen – zum Vorteil unserer Schülerinnen und Schüler.“ Die Empfehlung für einen solchen Austausch fiel eindeutig aus: „Ohne zu zögern – es ist eine enorme Bereicherung, sowohl beruflich als auch persönlich.“
Die Heinrich-Büssing-Schule zeigt mit diesem Austausch eindrucksvoll, wie Erasmus+ Brücken baut – zwischen Ländern, Menschen und Bildungssystemen. Die gewachsene Partnerschaft mit Le Havre ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie europäische Zusammenarbeit die Zukunft der beruflichen Bildung nachhaltig stärkt.
Foto: BIA 2026