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Feierstunde

Huldigungen an eine ehrwürdige und dennoch jung gebliebene Dame

Heinrich-Büssing-Schule feierte ihr 50jähriges Schuljubiläum

von Martin Dräger †

BRAUNSCHWEIG - Es ist ein schöner Frühherbsttag am 28.9.2015, die Sonne scheint, die sich färbenden Blätter bilden einen wunderbaren Kontrast zum klarblauen Himmel. Von der Pausenhalle 2 her weht ein Musikfetzen: „Summertime“ – man könnte entweder ins Schwärmen über das noch sommerliche Wetter oder in Wehmut über den beginnenden Herbst verfallen.

Also die gleiche Stimmung, wie sie in der Pausenhalle sich breitmacht: Die Heinrich-Büssing-Schule feiert 50jähriges Bestehen an der Salzdahlumer Straße: Was heißt das für sie? Ist sie quasi eine in der noch heißen, aktiven Phase des Lebens stehende junggebliebene oder doch schon eine ehrwürdige, auf ihre Geschichte und Erlebnisse zurückblickende, im Herbst des Lebens stehende Dame?

Schulleiter Jürgen Beißner bei der Eröffnungsrede © Philipp
Schulleiter Jürgen Beißner bei der Eröffnungsrede
© Philipp

Bürgermeisterin Frau Ihbe © Philipp
Bürgermeisterin Frau Ihbe
© Philipp

Wenn man den Worten des Schulleiters Herrn Beißner lauscht, dann erfährt man vor allem, wie dankbar er ist. In einem geschickten Bogen verbindet er die Geschichte der Schule und ihre Bedeutung für Gegenwart und Zukunft mit dem Dank an die beteiligten Institutionen.

Diesen Tenor nimmt auch die Bürgermeisterin Frau Ihbe auf; sie betont, wie wichtig die Schule für die Stadt Braunschweig in der Vergangenheit, aber auch in der Zukunft ist: Hier wird der technische Nachwuchs ausgebildet, hier ist ein anerkanntes Kompetenzzentrum entstanden, das nicht von ungefähr den Namen eines der größten technischen Erfinder der Region trägt. Wie Heinrich Büssing steht die Schule für die Chance auf Durchdringung von technischer und allgemeiner Bildung. So weist sie auf die hohe technische Ausstattung, aber auch auf die mindestens genauso hoch geschätzte Vermittlung sozialer Kompetenzen hin. Als Beispiele nennt sie die zunehmende Attraktivität für Frauen, sich in den technischen Berufen zu bilden, ebenso erwähnt sie die vertikale Vernetzung, durch die SchülerInnen der Sekundarstufe I an die Technik herangeführt werden. Nicht zuletzt zieht sie als Beweis für diese gelungene Vermittlung die Absolventenzahlen und deren schulische Leistungen in der Fachoberschule und im Beruflichen Gymnasium Technik heran. Ihr Resümee ist eindeutig: Sie blickt optimistisch in die Zukunft, die Schule werde die ihr gestellten Aufgaben wie in der Vergangenheit so auch in der Zukunft meistern. Passend zu diesen sonnigen Aussichten ertönt als musikalische Impression „Sunny“, gespielt vom J.-H. Erchinger, gesungen von Britta Rex.


Jan-Heie Erchinger mit Britta Rex © Philipp
Jan-Heie Erchinger mit Britta Rex
© Philipp

In einer sehr persönlich gefärbten Rede zeigt Herr Wandt als Vertreter der IHK Braunschweig noch einmal die Parallelität der Bedeutungen auf, die mit dem Namen Heinrich Büssing verbunden ist. Zum einen wird der Braunschweiger Löwe durch LKWs von MAN durch die Welt getragen, zum anderen bildet die Heinrich- Büssing-Schule die kompetenten Entwickler und Anwender der Technik aus. Hier erwähnt er (natürlich als einer der bekanntesten Spediteure der Stadt!) insbesondere die gelungene Qualifizierung der Berufskraftfahrer. Von ihm stammt auch die Formulierung, die sich hier durch den gesamten Artikel als Leitfaden abbilden soll: Wenn ein Mensch 50 Jahre alt wird, dann wird ihm das Attribut ehrwürdig zugesprochen; wird eine Schule so alt, dann muss sie jung und innovationsfähig bleiben wegen der sich ständig neu stellenden wirtschaftlichen, technischen und gesellschaftlichen Probleme - um der Jugend eine Chance auf spätere Ehrwürdigkeit zu geben. Also ist sein Fazit auch eindeutig: Die Schule ist eine wichtige Säule, die aus dem Bildungssystem nicht wegzudenken ist, allerdings sieht er eine Gefahr: den Lehrermangel in den technischen Berufen. Aber insgesamt zeigt er im Namen der gesamten IHK, wie stolz er auf diese Schule ist (nicht zuletzt auch ein Ergebnis der qualitätssichernden Mitarbeit der Lehrkräfte in den Prüfungsausschüssen der Kammern).

Einen Blick über den Tellerrand gewährt Frau Hartwig vom Niedersächsischen Kultusministerium. Sie zeigt auf, wie wichtig die Berufsbildenden Schulen und damit auch die HBS für das Land Niedersachsen (wenn nicht noch weitergehend!) sind: Sie sind - ausgehend von den Zwängen der technischen Innovationen und gesellschaftlichen Entwicklungen - die Schulen, die sich in ihren Unterrichtsinhalten und –methoden am schnellsten auf diese Veränderungen einstellen müssen. Da sie zumeist alle schulischen Abschlüsse und berufliche Qualifizierungen vergeben bzw. vermitteln, müssen sie zu einer umfassenden Orientierung ihrer Abnehmer im zukünftigen Leben führen. Das bedeutet, dass sie in der ersten Linie stehen, wenn es um die Bewältigung konkreter Probleme geht. Hierzu nennt sie einige plakative Beispiele: Bewältigung der demographischen Entwicklung, Ermöglichung einer Berufsausbildung für möglichst alle, unabhängig vom Wohnort oder von der Herkunft, Integration von Migranten und Flüchtlingen. In diesem Zusammenhang kündigt sie konkrete Unterstützungsmaßnahmen des Landes Nie-dersachsen an, die alle unter dem gleichen Motto stehen: „Keiner darf verloren gehen!“ Somit ist ihr Resümee klar und deutlich: Der HBS muss die Zukunft gehören, sie kann sich nicht auf 50 Jahren bewährter Arbeit ausruhen, sie muss mit dem gleichen Elan weitermachen. Sozusagen als Unterstreichung für dieses ernste Thema spielt die Band „Ain’t no sunshine“!


Feierstunde zum 50. Jahrestag © Philipp
Feierstunde zum 50. Jahrestag
© Philipp

Als kurzer pointierter Abschluss blickt Herr Sudmeyer, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade, noch einmal auf die Person Heinrich Büssing. Wie dieser engagierte Handwerker verkörpere auch die HBS die gelungene Verbindung von Praxis und Theorie. Er macht deutlich, dass er stolz auf die Schule sei und verpflichtet sie, in Zukunft weiter auf diese Verbindung achtzugeben, die sich in der Zusammenarbeit von Betrieb und Schule manifestiere. Damit hat sie ihren guten Ruf erworben und das erhalte sie auch jung und dynamisch für ihren zukünftigen Weg.

Als wäre es abgesprochen, setzt die Band den musikalischen Schlusspunkt mit einer swingenden Version von „Route 66“!  - Die „ehrwürdige, junge Dame“ geht ihren Weg konsequent weiter!

 

Martin Dräger     Ein Hinweis in eigener Sache:

 

     Der Autor Martin Dräger starb unerwartet am 12. Oktober 2015. Wir trauern um ihn!