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Keep it in the ground

06.06.2019 11:29:43 | Heinrich-Büssing-Schule

von Ulf Kreth

Braunschweig – 29. Mai 2019. Herr Prof. Dr.-Ing. Jürgen Kuck von der Fakultät für Versorgungstechnik der Hochschule Ostfalia sprach vor den 12. Klassen der Fachoberschule der HBS über Klimaschutz.  
Herr Prof. Dr.-Ing. Kuck, der 1978 in Osnabrück sein Abitur und anschließend eine Lehre als Kfz-Mechaniker machte, fing 1980 an der TU Braunschweig das Maschinenbau-Studium an, zunächst mit dem Ziel in die Flugzeugindustrie zu gehen. In einer Zeit von Protesten gegen Atomkraft und ein Atommüllendlager in Gorleben widmete er sich jedoch der „Energie- und Verfahrenstechnik“, sodass er nach dem Studium für die Salzgitter AG bis 2002 im Bereich der Energiewirtschaft arbeiten konnte, um hieran anschließend zur Ostfalia zu wechseln. 

Nach dieser kurzen Vorstellung der eigenen Person führte Herr Prof. Dr.-Ing. Kuck mithilfe eines Abstimmungs-Gerätes eine live-Umfrage mit den Schülerinnen und Schülern durch. Aus jeweils fünf gegebenen Optionen sollten sie wählen, ob sie u.a. bereits an einer „Fridays for Future-Demonstration“ teilgenommen hatten, wie hoch der CO2-Gehalt in der Atmosphäre ist, was sie von der deutschen bzw. europäischen Klimaschutzpolitik halten etc. Das eigene Wissen bzw. die eigene Meinung bildete somit den Einstieg in das Thema des Vortrags: „Klimaschutz / -wandel“.

Herr Prof. Dr.-Ing. Kuck (Fakultät Versorgungstechnik Ostfalia) vor FOS12-Schülerinnen und -Schülern Prof. Dr.-Ing. Kuck (Fakultät Versorgungstechnik Ostfalia) vor FOS12-Schülerinnen und -Schülern
© Kreth

Seit den 80er Jahren, so zeigte Herr Prof. Dr.-Ing. Kuck den Schülerinnen und Schülern anhand von Bildern, hat es weltweit eine enorme Zunahme an Gletscherschmelze gegeben, sodass der Nordpol bis spätestens 2050 eisfrei sein dürfte. Zudem schmilzt das Grönlandeis rapide. Sein völliges Abschmelzen würde einen Anstieg der Meeresspiegel von  ca. sieben Metern mit dramatischen Folgen auch für die bundesdeutsche Nordseeküste bedeuten. Das liegt vor allem auch daran, dass der thermische Energiegehalt weniger stark in die Luft, sondern vielmehr in die Ozeane geht. Wer sich diese Auswirkungen einmal verbildlichen möchte, kann auf flood.firetree.net virtuell den Meeresspiegel erhöhen. Darüber hinaus erläuterte Herr Prof. Dr.-Ing. Kuck weitere Auswirkungen des Klimawandels: die Abschwächung des Jetstreams, Wetterextreme mit beispielsweise viel häufigeren und stärkeren Stürmen sowie einer Zunahme der Anzahl von Waldbränden.

Dann zeigte Herr Prof. Dr.-Ing. Kuck den Schülerinnen und Schülern, was Sonnenlicht ist und welche Bedeutung Treibhausgase für die Erde haben. So wären es durchschnittlich ca. -18 Grad Celcius auf der Erde ohne Treibhausgase. Dabei basiert der natürliche Treibhauseffekt zu 63% auf Wasserdampf, der jedoch „abregnen“ kann; der anthropogene hingegen zu 61% auf CO2, bei dem kein Abregnen möglich ist und das deshalb viel länger in der Atmosphäre verweilt. So ist in den letzten 800.000 Jahren die CO2-Konzentration zwischen 180 und 280 ppm gewesen. Am 25. Mai 2019 lag sie bei 414,96 ppm. Eine derartige Konzentration gab es zuletzt im Pliozän vor 3,5 Mio. Jahren. Zu der Zeit lag die Durchschnittstemperatur der Erde um 3 bis 4 Grad Celcius höher als heutzutage. Wenn man bedenkt, dass die Welt eine Erhöhung von mehr 2 Grad Celcius unbedingt vermeiden will, bedarf es keiner weiteren Erklärung zur Bedeutung der genannten 414,96 ppm. Wenn man ferner bedenkt, dass neben der Atmosphäre und Pflanzen vor allem die Meere etwa die Hälfte des ausgestoßenen CO2s speichern, Wasser aber an Speicherkapazität verliert, wenn es sich erwärmt und ab einer gewissen Temperatur sogar anfängt auszugasen (sog. Kipppunkt), dann versteht man sicherlich die Aussage von Herrn Prof. Dr.-Ing. Kuck: „Dann wird’s richtig unangenehm.“ 

Eine vernünftige und vor allem effektive Klimaschutzpolitik ist demnach unumgänglich. Da alle Maßnahmen der Bundesregierung, aber auch der EU bis jetzt nicht zum erwünschten Erfolg geführt hätten, so Herr Prof. Dr.-Ing. Kuck, plädiere er für eine Idee des Wirtschaftsweisen Hans-Werner Sinn. Die besagt, dass man auf Einsparungen fossiler Brennstoffe hierzulande verzichten könne, weil diese lediglich dazu führten, dass mehr fossile Brennstoffe auf dem Markt blieben, sodass fossile Energien dadurch nicht teurer würden und in den Ländern ohne Reglementierungen es ergo auch keine derartigen Einsparungen, sondern eher einen Mehrverbrauch gäbe. Das Geld, das für Fördermaßnahmen genutzt worden wäre, sollte stattdessen zum Aufkauf von Öl- und Kohlevorkommen verwendet werden. Denn nur, wenn die fossilen Brennstoffe in der Erde gelassen würden, es also zu einer steigenden Verknappung dieser Rohstoffe auf dem Weltmarkt käme, würde ihr Preis steigen und sie somit unattraktiv machen. Dabei würde Herr Prof. Dr.-Ing. Kuck mit den amerikanischen Fracking-Erdölquellen anfangen, da sie wegen ihrer weniger vorhandenen Wirtschaftlichkeit günstiger zu erwerben wären als etwa saudi-arabische. Wie bereits auf der Pariser Klimakonferenz von u.a. Greenpeace verlangt, sollte das Motto sein: „Keep it in the ground!“ (https://www.greenpeace.org/usa/global-warming/keep-it-in-the-ground/). Lohnenswert für das Verständnis der von Herr Prof. Dr.-Ing. Kuck vorgestellten Wirtschaftstheorie ist folgender Filmclip, den er auch den Schülerinnen und Schülern während seines Vortrages zeigte: https://www.youtube.com/watch?v=m1S2rq7MD7c

Der gesamte 12. Jahrgang der Fachoberschule sowie ihr Politiklehrer Herr Kreth danken Herrn Prof. Dr.-Ing. Kuck für seinen Besuch und den äußerst interessanten Vortrag.