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Operation Sophia

12.03.2019 15:22:58 | Heinrich-Büssing-Schule

von Ulf Kreth

Braunschweig, 22. Februar 2019: Nach dem Besuch von Herrn Hauptmann Bode im Oktober, der der Klasse 2FOS183 von seinen persönlichen Erfahrungen in Afghanistan berichtete, besuchte nun Herr Oberleutnant zur See Rohmann die Klasse, um über seine Erlebnisse während seines Einsatzes im Rahmen der Operation Sophia vor der libyschen Küste zu erzählen.

Der gelernte Bankkaufmann, der seit 2009 bei der Deutschen Marine tätig ist, klärte die Schüler zunächst über bestehende Fluchtursachen auf: u.a. Hunger, Krieg und Gewalt sowie Klimawandel. Vor allem letzterer trägt mit 20 Mio. Menschen wesentlich zur Gesamtzahl von ca. 70 Mio. Flüchtlingen weltweit (2017) bei. Laut Recherche, so Rohmann, seien in den letzten 300 Jahren 30% aller Migranten wegen Klimaveränderungen geflüchtet, wobei sich die Zahl der Klimakatastrophen laut global tätiger Versicherungen seit der Jahrtausendwende verdoppelt habe. Besonders Menschen südlich der Sahara seien vom Klimawandel mehr und mehr betroffen, sodass sie den Weg durch die Wüste nicht scheuen, um zu überleben; ihre ursprüngliche Heimat kann ihnen einfach keine Lebensgrundlage mehr bieten. Viele der Migranten führt ihre Wanderung nach Libyen. Seit dem Sturz des Diktators al-Gaddafi gibt es dort keine intakte Regierung mehr, sodass dieses Land zur Schlepperhochburg geworden sei, konstatierte Rohmann.

Oberleutnant zur See Rohmann  referiert vor der 2FOS183 Oberleutnant zur See Rohmann referiert vor der 2FOS183
© Kreth

Aus diesem Grunde beteiligt sich die Bundesrepublik Deutschland seit Juni 2015 durchgehend an der EUNAVFOR MED (Operation Sophia). Kernauftrag dieser Mission ist es, zur Aufklärung von Schleusernetzwerken auf der zentralen Mittelmeerroute beizutragen. Dazu werden neben Schiffen auch Flugzeuge und Hubschrauber in internationalem Gebiet zwischen der italienischen und libyschen Küste eingesetzt. Ihre Aufklärungsergebnisse sollen dazu beitragen, Schleuseraktivitäten zu unterbinden, weshalb die Schiffe ermächtigt sind, verdächtige Boote anzuhalten und zu durchsuchen. Des Weiteren umfasst der Auftrag, die libysche Küstenwache auszubilden, das Waffenembargo durchzusetzen und Schiffbrüchige aus der See zu retten. So die Theorie.

Rohmann selbst war 2017 für mehrere Monate auf einem umgebauten Containerschiff der Deutschen Marine vor Libyen im Einsatz. In dieser Zeit konnte er erkennen, dass sich Theorie und Praxis oft voneinander unterscheiden. So konnte er von absurd anmutenden Fällen berichten: Italien, das die Operation leitet und koordiniert, schickte beispielsweise das belgische Kriegsschiff zur Seenotrettung, sein Versorgungsschiff, das viel mehr Platz zur Aufnahme von Flüchtlingen bot, jedoch zur Überwachung des Waffenembargos. Verdächtige Schiffe durften nicht überprüft werden, weil es die italienische Leitung verweigerte. Die Angestellten der Küstenwache seien meist im Zweitberuf selbst Schleuser und die Schleuser wüssten mit erstaunlicher Genauigkeit, wie viele Flüchtlinge täglich - abhängig von den vor Libyens Küste kreuzenden EUNAVFOR MED-Schiffen – aufgenommen werden könnten. Und doch mag man die offiziellen Zahlen als Erfolg lesen: Seit Beginn der Mission hat die Operation Sophia zur direkten Festnahme von über 140 Schleusereiverdächtigen durch italienische Behörden geführt, 400 Fahrzeuge wurden sichergestellt und 800 Maßnahmen gegen Schmuggel durchgeführt.

Nach dem Vortrag des Oberleutnants zur See gab es noch Gelegenheit zur Diskussion über die Wehrpflicht, sowie Russland und die NATO.

Die gesamte Klasse bedankt sich bei Herrn Oberleutnant zur See Rohmann für den äußerst interessanten und informativen Vortrag! Absolut empfehlenswert!