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Auf der Suche nach dem „Friedenskakao“

07.03.2016 12:10:38
Dr. Meier zu Besuch im Politikunterricht Dr. Meier zu Besuch im Politikunterricht
© Kreth
von Ulf Kreth

Braunschweig (Heinrich-Büssing-Schule) – 16.2.2016. Dr. Uwe Meier von „Fair in Braunschweig e.V.“ besuchte die Klassen 1FOS153 und 2FOS154 im Politikunterricht, um den Schülern vom Sinn und Unsinn der Lebensmittelzertifikate sowie seiner Suche nach dem ökologisch und sozial perfekten Kakao, seinem „Friedenskakao“, zu berichten.

Bei seinem Besuch beschränkte sich Herr Dr. Meier im Wesentlichen auf Kakao, auf seinen Anbau und die Produktion. Um die Schüler mit dem Gut vertraut zu machen, teilte er zu Beginn fair gehandelte Kakaobohnen zum Probieren aus. Dann stellte er den Schülern die verschiedenen Zertifikate und Siegel der Lebensmittelindustrie vor, zu deren Grundentstehung er in den 90er Jahren maßgeblich beigetragen hatte. Dennoch sieht er mittlerweile die Zertifizierungen äußerst kritisch, besonders was ihre Rolle bei ökologischer, sozialer und ökonomischer Nachhaltigkeit angeht, d.h. inwiefern sie einen Beitrag zur Schaffung einer besseren Welt leisten können. Zertifikate wie Rainforest Alliance und Fairtrade suggerierten dem Konsumenten häufig mehr Gutes, als sie wirklich leisteten. Jedoch sei ein Produkt mit Siegel immer noch besser als eins ohne, da sie – je nachdem um welches Zertifikat es sich handelt – für eine zumindest gewisse kontrollierte Umsetzung normativer Regelungen stünden. So würde es unter ihnen im Bereich des Kakaoanbaus beispielsweise keine Kindersklaven geben.

Wegen dieser Unzufriedenheit aber machte sich Herr Dr. Meier vor einiger Zeit in Kolumbien auf die Suche nach einem „ultimativen“ Kakao, dessen Wirtschaften zukunftsorientiert und auf der Grundlage moralischer Werte und Normen beruhen sollte. Diesen Kakao, der u.a. die Biodiversität und Kultur des Friedens fördern, einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, die ILO-Normen einhalten und Friedensökonomie stärken sollte, musste der beste Kakao nach ethischen Ideen sein und er würde ihn dementsprechend „Friedenskakao“ nennen.

Vor vier Jahren begann seine Suche, die ihn zunächst nach Caquetá im Süd-Westen von Kolumbien führte. Dort fand er den gewünschten Kakao jedoch nicht und er kehrte enttäuscht nach Deutschland zurück. Bei seinem nächsten Besuch in Kolumbien (im Herbst 2015) suchte er mit Hilfe der UNO und der NGO SWISSCONTACT am Rio Magdalena Medio und wurde fündig: Die Organisationen APRIMUJER (ein Zusammenschluss von ca. 50 Frauen mit Landbesitz, die in Mischkulturen, sog. mixed cropping, Kakao anpflanzen), CORTIPAZ und FUINMUCAR erfüllten seine Bedingungen. Darüber hinaus reiste er in die kolumbianische Sierra Nevada de Santa Marta zu dem indigenen Volk der Arhuacos, die zu Meiers „Friedenskakao“ zukünftig mit ihrem Kakao zu 5-10% beitragen sollen. Damit hatte er sein Ziel erreicht und beabsichtigt nun, mit dem „Friedenskakao“ eine Schokolade für die Stadt Braunschweig herzustellen. Mit Hilfe zahlreicher Kooperationspartner, insbesondere dem Institut für Transformationsdesign der HBK, soll erkundet werden, wie sich gesellschaftliche Werte (z. B. Frieden) über Schokolade zur Bewusstseinsbildung eignen.

Die Klassen und ihr Politiklehrer, Herr Kreth, möchten sich bei Herrn Dr. Meier für die bilderreiche und dadurch äußerst interessante und informative Vorstellung bedanken!